So. Aug 18th, 2019

Glasfaser bis in die Berge

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  • Telekom schließt Balderschwang, die Gemeinde mit dem höchstgelegenen Ortskern in Deutschland, ans Glasfaser-Netz an
  • Glasfaser-Ausbau sorgt für Tempo bei Festnetz und Mobilfunk
  • Balderschwang ist „FTTH ready“ und „5G ready“

v. l. n. r.: Bürgermeister Ofterschwang und Stellvertretender Landrat Alois Ried; Geschäftsführer Technik Telekom Deutschland, Walter Goldenits; Bayerischer Staatsminister der Finanzen und für Heimat Albert Füracker; Bayerischer Landtag Eric Beißwenger, Bürgermeister Balderschwang Konrad Kienle

Die Telekom verlegt pro Jahr 60.000 Kilometer Glasfaser. Die 24 Kilometer, die bei diesem Ausbau-Projekt verlegt wurden, sind aber etwas ganz Besonders. Der Weg führte mitten durch die Allgäuer Alpen. Eine der schönsten Landschaften Deutschlands. Ein schützenswerter Natur-Raum, der nur ausnahmsweise gestört werden darf. Deshalb handelt es sich hier um ein Jahrhundert-Projekt. Deshalb haben Natur- und Landschaftsschutz bei diesem Projekt eine besondere Rolle gespielt. Es wurde möglich, weil Eigenausbau und staatliche Förderung hier zusammengepasst haben. Jetzt hat Balderschwang eine moderne digitale Infrastruktur: im Festnetz und Mobilfunk. Geschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde sind ab sofort in Balderschwang möglich. Im Zuge des Ausbaus wurde der Mobilfunk-Standort auf dem Gelbhansekopf mit Glasfaser angebunden und mit LTE ausgestattet. Damit können ab sofort Fotos und Videos auch über die Luftschnitt-Stelle schnell geteilt werden. Balderschwang lebt vom Tourismus. Der Ausbau stellt für die Gemeinde einen wichtigen Standort-Vorteil dar.

„Ein funktionierendes WLAN ist für Hotelgäste heute oft noch wichtiger als der Fernseher“, sagt Konrad Kienle, 1. Bürgermeister von Balderschwang. „Urlaubsgäste möchten mit Familie und Freunden in Kontakt bleiben. Sie wollen ihre Erlebnisse teilen. Da reicht heute ein Telefon-Anruf allein nicht mehr aus. Wir sind sehr froh, dass durch eine Kombination aus staatlicher Förderung und Eigenausbau der Telekom unsere Gemeinde jetzt digital auf dem neuesten Stand ist.“

„Wir sind als einziger Anbieter überall in Deutschland unterwegs. Von den Nordsee-Inseln bis in die Alpen“, sagt Walter Goldenits, Geschäftsführer Technologie der Telekom Deutschland. „Der Schutz der Natur und die Versorgung mit Breitband haben etwas gemeinsam: Beide gewinnen bei den Menschen immer mehr an Bedeutung. Bei diesem Projekt ist es uns gelungen, Naturschutz und Breitband-Versorgung in Einklang zu bringen. Ich danke deshalb allen, die an diesem Projekt beteiligt waren: den Gemeinden, Behörden, Anrainern und meinen Mitarbeitern von der Telekom.“

Ein besonderes Projekt

Für ein solches Projekt sind umfangreiche Planungen notwendig. Erste Gespräche fanden bereits Anfang 2018 statt. Neben den Gemeinden mussten auch die Eigentümer entlang der Trasse eingebunden werden. Ämter wie Wasserwirtschaft, Naturschutz, Forstwirtschaft mussten dem Vorhaben zustimmen. Im Mai 2018 wurden der Trassenverlauf festgelegt und Baugenehmigungen eingeholt. Gemeinsam mit der unteren Naturschutz-Behörde wurde ein landschaftspflegerischer Begleitplan erstellt. Baubeginn war im Juli. Für den Ausbau gab es nur ein schmales Zeitfenster. In dem Ausbau-Gebiet herrschen immer wieder extreme Witterungsbedingungen. Jederzeit hätten Gewitter oder Schneefall den Ausbau stoppen können. Wegen des trockenen Sommers 2018 kamen die Ausbau-Arbeiter gut voran.

Der Truppe für den Tiefbau bestand aus vier Arbeitern, drei Baggern, einem Muldenkipper und einem Vierachs-LKW. Einer der Bagger wurde als Kabelpflug genutzt. Im Schritt-Tempo bewegte sich der Tross durch die satt grüne Landschaft. Zum Teil standen die Maschinen in einem Gefälle von 40 Prozent. Beäugt allein vom gemütlich grasenden Vieh der Senn-Bauern. 600 Höhenmeter bergauf. 500 Höhenmeter bergab. In der Nähe der Hütte Obere Wilhelmine Alpe erreichte der Ausbau-Trupp den höchsten Punkt bei über 1.500 Metern. Über weite Strecken konnte das Leerrohr für das Glasfaser-Kabel eingepflügt werden. Für die Natur eine besonders schonende Methode. Die gezogene Furche wächst in wenigen Wochen wieder zu. Der Abschluss-Bericht zur Umwelt-Baubegleitung kam zum Schluss: „Aus Sicht der Umweltbau-Begleitung wurden die Eingriffe in Natur und Landschaft während der Bauphase minimiert.“

Ab November fanden in Balderschwang letzte Tiefbauarbeiten statt. Außerdem wurden die notwendigen Verteilerkästen gestellt. Anfang 2019 war das eigentliche Ausbau-Projekt abgeschlossen. In den folgenden Wochen wurden die Voraussetzungen geschaffen, um die Anschlüsse in den IT-Systemen buchbar zu machen.

Durch den Ausbau ist Balderschwang auch für weitere Ausbauschritte vorbereitet. In der Betriebsstelle in Balderschwang steht ein Optical Line Terminal. Diese Maschine ist notwendig, um Glasfaser bis ins Haus anzubieten. Das Neubaugebiet wurde deshalb bereits mit einem Glasfaser Netzverteiler ausgestattet. Der Mobilfunk-Standort wird in der zweiten Jahreshälfte auf Single RAN umgestellt. Damit ist sichergestellt, dass der Standort in Zukunft bei steigendem Bedarf schnell angepasst werden kann. Balderschwang ist also „FTTH ready“ und „5G ready“.

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